Archiv für die Kategorie ‘Literarische Bemerkung’

Zitat des Monats

Freitag, 08. Mai 2015

fünfter sein

tür auf
einer raus
einer rein
vierter sein

tür auf
einer raus
einer rein
dritter sein

tür auf
einer raus
einer rein
zweiter sein

tür auf
einer raus
einer rein
nächster sein

tür auf
einer raus
selber rein
tagherrdoktor

(Ernst Jandl)

Zitat des Monats

Sonntag, 01. März 2015

Am Abend gingen wir […] in den „Goldenen Anker“. Das Publikum strömte in Scharen nach dem Haus, so dass ich ganz erstaunt war; aber die Leute verschwanden alle hinter den Flügeltüren eines Saales im Parterre, während wir in die zweite Etage hinaufstiegen, wo es viel stiller zuging.
„Was ist denn da unten los?“, fragte ich den Sekretär.
„Ach, die Biermusik. Das ist jeden Samstag.“
Ehe Schievelbeins mich verließen, um in den Saal zu gehen, ergriff die gute Frau in einer plötzlichen Wallung meine Hand, drückte sie begeistert und sagte leise: „Ach, ich freue mich ja so furchtbar auf diesen Abend!“
„Warum denn?“, konnte ich nur sagen, denn mir war ganz anders zumute.
„Nun“, rief sie herzlich, „es gibt doch nichts Schöneres, als wenn man sich wieder einmal so richtig auslachen kann!“
Damit eilte sie davon, froh wie ein Kind am Morgen seines Geburtstages.
Das konnte gut werden.
Ich stürzte mich auf den Sekretär. „Was denken sich die Leute eigentlich unter diesem Vortrag?“, rief ich hastig. „Mir scheint, sie erwarten etwas ganz anderes als einen Autorenabend.“
Ja, stammelte er kleinlaut, das könne er unmöglich wissen. Man nehme an, ich werde lustige Sachen vortragen, vielleicht auch singen, das andere sei meine Sache – und überhaupt, bei diesem miserablen Besuch –
Ich jagte ihn hinaus und wartete in bedrückter Stimmung […] [Im Saal] standen etwa zwanzig Stuhlreihen, von denen drei oder vier besetzt waren, […] ganz vorn Herr und Frau Schievelbein.. Es half alles nichts; ich musste beginnen.
So las ich denn in Gottes Namen ein Gedicht vor…

(Aus: Hermann Hesse „Autorenabend“)

Zitat des Monats

Mittwoch, 07. Januar 2015

Vorsätze

Im Januar verwirklicht gerne man Vorsätze:
Die Fitnessstudios sind fast alle überfüllt,
jedoch bereits im Februar, ich schätze,
ist erster Hunger nach Veränderung gestillt.

Das Sonderangebot für Kurse wird beendet,
jetzt geht’s auf Rechnung, gleich mal für ein Jahr,
doch eh man über den Geräten noch verendet,
da bricht man die Schikane ab, das ist mal klar.

Trotzdem macht mancher auf der Vorsatzliste
den Haken hinter Nummer 1.: Soviel zum Sport.
Und haut sich lieber sonntags wieder in die Kiste,
denn zuviel Sport, man weiß es, das ist Mord.

Und auch abrupt mit Rauchen aufzuhören,
ist Qual und da verlässt einem der Mut.
So kann man neu am Jahresende schwören:
Mehr Sport und wen´ger Rauchen täten gut.

(Aus: Monika Hähnel „Stimmungsaufheller, rezeptfrei“. Leipzig 2014)