Archiv für die Kategorie ‘Literarische Bemerkung’

Zitat des Monats

Dienstag, 01. März 2016

„Später, als er im Bett liegt, erinnert er sich an den Satz der knochigen Frau: Wenn das Nichtstun zu schlimm wird, Organisieren wir eine Demo. Und plötzlich weiß er, warum er heute zwei Stunden auf dem Oranienplatz gesessen hat. Er hat es schon gewusst, als er im August von den Hungerstreikenden hörte, die ihre Namen nicht nennen wollten, und hat es auch gewusst, als er gestern den schwarzen Schulhof betrat, aber erst jetzt, in diesem Moment, weiß er es wirklich. Über das sprechen, was Zeit eigentlich ist, kann er wahrscheinlich am besten mit denen, die aus ihr herausgefallen sind. Oder in sie hineingesperrt, wenn man so will. Neben ihm, auf der zugedeckten Hälfte des Bettes, dort, wo früher seine Frau schlief, liegen ein paar von seinen Pullovern, Hosen und Hemden, die er in den letzten Tagen getragen und noch nicht weggeräumt hat.“

(Aus: Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen. 2015)

Zitat des Monats

Sonntag, 01. November 2015

„Wolltest du nicht klettern?“ [...] Für einen Augenblick drängte Ben sich ein Bild auf, wie Anders ganz oben, in der freien Spitze des Baums, so gut seine Füße noch Halt fanden, sich kerzengerade aufrichtete, ein Menschenfleck in einem Meer von Rot, der langsam die Augen schloss, die Arme zum Himmel hin ausbreitete und mit einem letzten federnden Sprung emporschnellte, denn er besaß brennende Flügel, schwarze Schwingen, die ihn tragen würden bis - „Oh, Scheiße, Alter!“ Nisses Schrei war laut. Anders’ Sturz war laut [...]

„Er hat was getan?“, stieß Laura Wickert aus, ihre Hände flogen über den auf der Pritsche ausgestreckten, halb nackten Kinderkörper, suchten, betasteten, drückten. Felix sah verheerend aus […]

„Geklettert. Und dann ist er runtergefallen.“
„Aus welcher Höhe?“
„Von ganz oben.“
„Das ist relativ. Wie hoch ist der Baum?“
„Es ist diese rote Buche. Die an der Lahn, der ganz alte Baum. Ich weiß nicht. Dreißig Meter?“
Grundgütiger.
Laura ließ von Felix ab. […] Sie spürte Zorn in sich aufsteigen.
„Und ihr habt ihn da einfach raufklettern lassen?“, blaffte sie los. „Obwohl ihr wusstet, dass er sich letztes Jahr schwerste Kopfverletzungen zugezogen hatte? Verletzungen, die höchstwahrscheinlich zu seinem Gedächtnisverlust geführt haben und von denen wir jetzt noch nicht wissen, ob sie überhaupt schon alle verheilt sind?“

(Aus: Andreas Steinhöfel: Anders. Hamburg 2014, 129 f.)

Zitat des Monats

Freitag, 28. August 2015

Ich sehe uns noch um den runden Tisch sitzen .. und lebhaft diskutieren über Geschichten und Gedichte…“ (Nancy Windisch)

„Eine Entwicklung wie bei Daniel stärkt mich in dem Gedanken, dass Kinder Sinn für Literatur, Lust am Schreiben entwickeln können.“(Andrea Riedel)

„Die ‘Jahresringe’ repräsentieren ein großes Stück geistiger Arbeit Denkender und Schreibender, die etwas zu sagen haben, indem sie sich positionieren.“ (Rudi Berger)

„So vieles habe ich lernen dürfen. Nicht zuletzt, wie wichtig Kritik ist – von Menschen, die es gut mit
einem meinen.“(Gundula Schubert)

„Was für eine schöne Literaturreise in die Uckermark und was für eine tolle Gemeinschaft!“ (Brigitte Jähn)

(Aus: Festschrift 20 Jahre Förderstudio)