Archiv für die Kategorie ‘Literarische Bemerkung’

Zitat des Monats

Donnerstag, 01. März 2018

„ERZÄHLEN. Ulrich konnte erzählen wie niemand sonst. Wenn er in Fahrt geriet, überschlugen sich die Bilder, ich verstand oft nicht einmal, worum es in seinen Geschichten ging, aber die Farben, die Worte, den Witz, bis heute habe ich davon Klänge im Ohr, Unzusammenhängendes, und wenn ich nachts nicht schlafen kann, rauscht Ulrichs Stimme durch mein Ohr mit Satzfetzen …

…und dann brachte Frau Petro diese Zweihundertfünfzig-Mark-Pute zu Ofen und hereingetragen wurde sie von zwei kleinen Nubiern, abgedeckt mit Aluminiumpapieren, weißt du. Und sie hatte ein Messer, so scharf, wenn man es nur ansah, hatte man sich schon geschnitten. [...] Und weißt Du, die amerikanische Post hat gesagt, wenn nach dem Atomkrieg noch irgendwas da ist, Post oder Adressen, dann liefern wir auch aus. […]

Ich habe auf diese Frau so lange gewartet, aber gelohnt hat es sich nicht, aber manchmal ist es draußen einfach zu dunkel für einen allein. Meine Seele ist irgendwie bei ihr hängengeblieben, und da ziept es jetzt immer so. Weißt du, sie hatte diese Haare, durch die man barfuß laufen möchte …“

(Aus: Elke Heidenreich „Alles kein Zufall“)

Zitat des Monats

Donnerstag, 28. Dezember 2017

„Die Kellnerinnen baden in der Sonne wie eine Herde gehäuteter Robben, ihre rosigbraunen Körper glänzen vom Öl.“

„Am 13.November, dem Tag des Unheils, im Monat der Toten, ging Kat in das Toronto General Hospital,
um sich operieren zu lassen.“

„Wie ist Selena hierher gekommen? Das ist die Frage, die sich Richard gewöhnlich stellt…“

„Julie machte mit Connor mitten in einem Sumpf Schluss.“

„Jetzt, da die Jungen erwachsen sind und Rob tot ist, hat Lois eine Eigentumswohnung in einem der neueren Wohngebiete am Wasser bezogen.“

„Als sie fast fünf war, machte Susanna einen Stepptanz auf einer Käsekiste.“

„Ich nehme zu. Ich werde nicht dicker, nur schwerer.“

(Textanfänge aus: Margaret Atwood „Tipps für die Wildnis. Erzählungen“)

Zitat des Monats

Samstag, 02. September 2017

„DAS HIER SCHREIBE ICH AUS ANGST. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor, gar nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht bis zur Dreißig. Alle Abschlüsse gemacht, alle Termine eingehalten, viel gelächelt, wenig geweint, ein bisschen geweint, aber vor allem gelächelt. Auf viele Züge aufgesprungen, kurz mitgefahren, dann wieder die Richtung gewechselt. Ich war schon weit weg, kenne mich aus in der Welt, habe mit vielen gesprochen, eine Menge Bilder gesehen, Stimmen gehört, stand hier und da auch im Wind, aber was mir wirklich etwas bedeutet, woran ich glaube, kann ich nicht sagen. Wohin ich will schon: Immer weiter nach oben – die Leiter ist lang.“

(Aus: Simon Strauß „Sieben Nächte“)